Einige von euch werden sich vielleicht noch daran erinnern, daß ich eigentlich mal ein richtiger „Piefke“ war. Statt flotten Kärntnerisch sprach ich Hochdeutsch wie aus dem Buch , sang in der Schule mit Stolz die bayrische Nationalhymne und konnte mit Leichtigkeit alle Bundesländer der BRD aufsagen.  

Als ich in Gmünd 1977 das Licht der Welt erblickte, hatte mein Papa zuvor schon einige Jahre in Deutschland gearbeitet und da meine Mama nicht alleine mit mir in Gmünd zurück bleiben wollte, nahm er uns mit. So wanderte ich im zarten Alter von 2 Monaten auf der Rückbank unseres Simca  aus, in die Großstadt an der Isar, München.

München war zu der Zeit schon eine Weltstadt und allein in unserem Wohnblock wohnten so viele Menschen wie in unserer Siedlung in Gmünd. Für Mama war München nach der Enge ihres Elternhauses das Schlaraffenland! Eine ganze Wohnung für uns alleine, warmes Wasser aus allen Leitungen, warme Räume dank Zentralheizung, voller Kühlschrank und Gefrierschrank, Fernsehprogramm rund um die Uhr und viele weitere Erleichterungen und Freuden im Alltag. Besonders schätzte sie eine praktische Erfindung aus Amerika, Einmalwindeln. Die gab es hier in jedem Geschäft,  in Gmünd waren sie schwer zu bekommen und zudem noch teuer.

Mit der U-Bahn ging es schnell und bequem in die Münchner Innenstadt, wo sich ein Geschäft an das Nächste reihte und man im Kaufhof am Marienplatz mit der Rolltreppe bis in den Himmel fahren konnte. Am Wochenende ging es mit dem Fahrrad in einen der zahlreichen gemütlichen Biergärten auf a Mass und a Brezen , im Herbst war ein Besuch auf dem Oktoberfest Pflicht, damals gab es genug freie Plätze in den Zelten und kein Gedrängel, der riesige Tierpark Hellabrunn war jedes Mal ein Abenteuer und die Spaziergänge im Englischen Garten waren  entspannend und ohne Touristenbusse.

Trotz der vielen Annehmlichkeiten der Großstadt hatte meine Mama oft Heimweh und so kamen auch in München Traditionsgerichte aus der Heimat auf den Tisch, so wie der herrliche Dampfnudel meiner Oma.   

Dampfnudel

Bei meiner Oma daheim kam der Dampfnudel auf den Tisch, jeder schnitt sich eine Scheibe davon ab und tunkte diese in sein Häferl. Das Häferl war entweder süß ( Milch, Schlagsahne, Zucker) oder sauer (Milch, Buttermilch, Sauerahm, Salz) gefüllt. Wir tunken heute unseren Dampfnudel lieber in Vanillesauce.

Zutaten

300 g Weizenmehl

200 g Dinkelmehl

1 Pkg Trockenhefe

2 Eier

250 ml Milch

100 g Butter

1Prise Salz

1 EL Zucker

 Topf mit Dämpfeinsatz

Zubereitung

  • In einem Topf die Butter zerlassen, mit der Milch aufgießen und erwärmen- nur lauwarm.
  • Alle Zutaten zu einem Germteig verarbeiten und diesen 1 Stunde zugedeckt an einem warmen Ort gehen lassen.
  • Den Topfeinsatz mit Butter einfetten. Aus dem Teig einen Laib formen und in den Einsatz geben.
  • Einen Topf zu einem Drittel mit Wasser füllen, aufkochen und den Einsatz mit dem Dampfnudel einsetzen.
  •  Deckel drauf und auf niedriger Stufe 45 Minuten dämpfen. Den Deckel währenddessen nicht öffnen, sonst fällt der Dampfnudel zusammen!
  • Den fertigen Dampfnudel in Scheiben schneiden und servieren.

Tipp: Statt einem großen Dampfnudel kannst du auch mehrere kleine machen

"Für mich ist Kochen wie Musik - Liebe ist die wichtigste Zutat!

Johanna Maier