Mein Opa ist unglaubliche 96 Jahre alt und sein Geist ist wach wie eh und je.  Zusammen kochen war allerdings keine Option für uns, denn so dynamisch ist er leider nicht mehr. Also setzten wir uns an seinen Küchentisch und führten ein beeindruckendes Gespräch über Kochen und Essen anno dazumal.

Alle Gespräche mit meinem Opa enden früher oder später an der Front in Russland, Frankreich oder dem ehemaligen Jugoslawien. Kein Wunder, jahrelang  gelang es ihm die Schrecken des Krieges im Alltag wegzuschieben, aber jetzt im Alter drängen die kriegstraumatischen Erfahrungen dieser Zeit wieder an die Oberfläche.

Mein Opa heißt Willibald Pleschberger und wurde im Jahr 1922 im beschaulichen Leoben in Kremsbrücke als einziges Kind seiner Mutter Maria Pleschberger geboren. Die Wunden des ersten Weltkrieges, nur wenige Jahre zuvor, waren noch nicht verarbeitet, als in diesem Jahr Mussolini seine faschistische Herrschaft in Italien begann und Hitler und Stalin bereits die Weichen für den nächsten Kriegswahnsinn legten.

Es geht an die Front

1941 war es vorbei mit Willi‘s beschaulichen Bergbauernleben. Er wurde mit 19 Jahren zum Militärdienst einberufen und war nun ein Soldat der Wehrmacht. Wenig später ging es an die Front zum Schützengräben ausheben, aber seine wichtigste Aufgabe für die nächsten Jahre war einfach irgendwie am Leben zu bleiben. Und so wusste ich schon, bevor ich meine Frage stellte, wohin uns seine Erinnerungen bringen würden und dass mich wieder eine abenteuerliche Geschichte erwarten wird. „Opa, gibt es eine außergewöhnliche Mahlzeit in deinem Leben, dass du mit einer unvergesslichen Erinnerung verbindest?“ Daraufhin musste er eine Weile überlegen und fast 100 Jahre Rückblicke durchforsten. Aber dann fing er an zu erzählen, von zwei ganz besonderen Gerichten, die er nie vergessen wird.

Das Elchmenü

Russland, St. Petersburg 1942 an der Front. Seine Kompanie bestand überwiegend aus Österreichern und der Hunger war ihr ständiger gnadenloser Begleiter. Ob es Essen gab oder nicht war allein davon abhängig, ob die Versorgungstruppen mit dem Nachschub ungeschoren durch die feindlichen Linien kamen.  Die Köche in der Feldküche waren äußerst einfallsreich und versuchten aus dem Wenigen das zur Verfügung stand, die vielen hungrigen Männer zu verpflegen. Eine dünne Brotsuppe mit Pferdefleisch war ein seltenes Festessen. Es gab ausgehungerte Soldaten die Saaterdäpfel, welche zum Keimen eingesät wurden, wieder ausgruben, auch in Erwartung harter Strafen dafür.  Einer seiner Kameraden, der vor dem Krieg als Briefträger in Linz lebte, war ein leidenschaftlicher Jäger und eines Tages gelang ihm der Treffer seines Lebens. Er schoss einen gewaltigen Elch! Seine ganze Kompanie war im Freudentaumel darüber und die Köche verarbeiteten das Tier zu einem besonderen Festschmaus. So waren die leeren Bäuche der Kameraden wenigstens für diesen einen Tag gefüllt.

Der lange Heimweg

Im Mai 1945 war das Ende des Krieges und der Anfang des langen und gefährlichen Weges meines Opas nach Hause. Zu Fuß marschierte er durch das damalige Jugoslawien (heute Slowenien),  wurde in Marburg von Partisanen gefangen genommen und setzte seinen Fußmarsch, nach einer abenteuerlichen Flucht, fort in Richtung Heimat. Aber das ist wieder eine andere unglaubliche Geschichte. Wochen später hatte er endlich wieder Kärntner Boden unter den Füßen und bekam das beste Essen seines Lebens am Küchentisch seiner Mutter daheim in Leoben: „Schekate Nudeln“

Schekate Nudeln oder Kletzennudel

Den Begriff Schekate Nudeln kenne ich eigentlich nur von Oma und Opa, wir sagen Kletzennudel dazu. Kletzennudel werden aus getrockneten Birnen gemacht, den sogenannten Kletzen. 

Den Begriff Schekate Nudeln kenne ich eigentlich nur von Oma und Opa, wir sagen Kletzennudel dazu. Kletzennudel werden aus getrockneten Birnen gemacht, den sogenannten Kletzen. 

Der Birnbaum von dem meine Uroma, Maria Pleschberger, die Birnen für ihre Schekate Nudeln holte, steht immer noch vor Opas Haus. Dieses Jahr war der Baum voller herrlicher Birnen. Die habe ich eingesammelt, im Backrohr getrocknet und damit köstliche Schekate Nudeln für meinen Opa gemacht.

Zutaten für ca. 25 Nudel

500 g Dörrbirnen

1 kg Bröseltopfen

7 EL Zucker

1 Vanillinzucker

Zitronensaft, Zimt,Rum

Für den Teig

1 Kilo Weizenmehl griffig

1 Ei

500 ml lauwarmes Wasser

1 EL Öl, 1 TL Salz

Zubereitung

Die Kletzen werden über Nacht in einer Schüssel Wasser eingeweicht.

  • Die Teigzutaten zu einem glatten Teig verarbeiten, in Frischhaltefolie packen und eine Stunde im Kühlschrank rasten lasten.

  • In der Zwischenzeit die Kletzen im Multimixer zerkleinern oder durch den Fleischwolf lassen.

  • In einer Schüssel den Bröseltopfen und die Kletzen vermengen.

  • Mit Zucker, Vanillinzucker, Zitronensaft, Zimt,Rum abschmecken und zu gleich großen Bällchen formen.

  • Den Teig zu einer Rolle formen, in gleiche Stücke teilen, die Stücke länglich ausrollen, in die Handfläche legen, die Fülle in den unteren Teil setzen und den oberen Teil darüber klappen.

  • Die Ränder der Nudel fest zusammen drücken und krendeln oder mit einer Gabel verschließen.

"Geselliges Vergnügen, muntres Gespräch muss einem Festmahl die Würze geben"

William Shakespeare